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Offene Hände des Pekiti Tirsia
In der westlichen
Kultur wird der waffenlose Kampf im allgemeinen mit dem Gebrauch der
Faust assoziiert. Im Gegensatz zu dieser bei Laien vorherrschenden
Meinung gibt es unter erfahrenen Nahkampfexperten Einigkeit darüber,
dass Kampftechniken mit der offenen Hand äußerst
wirkungsvolle und praxistaugliche Methoden zur Selbstverteidigung
sind, die in der Praxis gegenüber Fausttechniken viele Vorteile
haben.
Pekiti Tirsia wurde von Anfang an
für die sinnvolle Verteidigung im wirklichen Leben konzipiert
und basiert auf der praktischen Erfahrung von Generationen.
Entsprechend gibt es im Pekiti Tirsia System eine Vielzahl von
Prinzipien und Methoden für die effektive Anwendung der offenen
Hände im Kampf. Den Techniken mit offener Hand wird sogar eine
höhere Bedeutung als den Fausttechniken zugeschrieben. Warum dem
so ist, ist leicht nachzuvollziehen, wenn man weiß, dass
Pekiti Tirsia ein Selbstverteidigungssystem ist, das die Möglichkeit
und Realität der Waffe in der Selbstverteidigung konsequent und
von Anfang an in das Training mit einbezieht.
Dieser Text erläutert einige
der Gründe, warum offene Hände bevorzugte Körperwaffen
zur Selbstverteidigung sind, und warum auch erfahrene Profis im
Ernstfall gerne auf Techniken mit der offenen Hand zurückgreifen.
Offene Hand als Körperwaffe der Wahl...
Der 'Giganten Killer' Keith Hackney (180 cm, 91 kg) bekam seinen
Spitznamen als er bei dem fast regellosen Turnier UFC 3 (Ultimate
Fighting Championship) den 23 cm größeren und dreimal so
schweren Giganten Emanuel Yarbrough (203 cm, 272 kg) mit einem
beherzt geschlagenen Slap niederschlägt.
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Einer der Gründe, warum Kenner das Pekiti Tirsia System besonders schätzen, ist der
konsequente und effektive Einsatz von ungewöhnlichen
Kampfmethoden, wie zum Beispiel Beinangriffe (tranka), Dumog-Brechen
(bali), Zug und Stoß (hablot-tiklod), Unterarm-Schläge
(banga) oder die Hammerfaust (pokol), welche das Arsenal der eher
verbreiteten Standardtechniken, wie Fußtritte (sipa) und
Schläge bzw. Stöße mit Handballen (tampa), Ellbogen
(siko), Knie (tuhod) und Kopf (bungo), sowie Sekundärtechniken
wie Quetschen/Zwicken (kosi) und Beißen (kagat) etc. ergänzen
und unterstützen.
Doch selbst mit dieser Vielfalt an
waffenlosen Verteidigungsmethoden kommt die wohl mächtigste und
am vielseitigsten anwendbare Körperwaffe zur Selbstverteidigung
aus dem Bereich der Techniken mit offenen Händen: Hampak –
der Power Slap.
Für ein Trainingssystem mit
Waffenbewußtsein, wie das Pekiti Tirsia, sind Pokol
Hammerfaustschläge und Slaps mit der offenen Hand eine
naheliegende Wahl für primäre Handtechniken.
Die Gründe sind leicht
nachvollziehbar: Gibt man jemandem eine Waffe oder ein Werkzeug, wie
zum Beispiel ein Schwert, einen Stock oder eine Axt, und fordert ihn
auf, damit schnell einen Baum zu fällen oder etwas stabiles zu
zerstören, dann wird diese Person mit dem Schwert, Stock oder
der Axt selbstverständlich keine Stiche sondern Schläge
als die kraftvollste Technik gebrauchen.
Pekiti Tirsia Trainer haben als Experten im
bewaffneten und unbewaffneten Kampf viel Erfahrung und verstehen sehr
wohl, dass gewöhnliche Faustschläge die
Bewegungscharakteristik eines Stiches haben, während
Schlagtechniken mit Unterarm, Hammerfaust oder der offenen Hand den
natürlichen Schwungbogen eines Schlages ausnutzen und so enorme
Wirkung entfalten können.
Schwachstelle Faust
Der Körper kann mit Schlägen
enorme Kraft entfalten – dies ist gut zum Kämpfen –
die bloße Faust jedoch ist nicht geeignet, diese Kraft auf
solide Ziele zu übertragen, ohne dabei selbst verletzt zu
werden. Boxer lösen dieses Problem, indem sie Bandagen und
Boxhandschuhe zum Schutz ihrer Fäuste verwenden. Das
funktioniert auch, denn in der Tat erlauben Bandagen und Handschuhe
den Boxern in Wettkampf und Training mit großer Wucht
zuzuschlagen ohne die Fäuste zu verletzen. Nebenbei ergaben sich
für Boxer aufgrund der Einführung der Handschuhe, die ja
dicker sind als die ungeschützte Faust, auch neue
Verteidigungsmöglichkeiten.
Die Einführung von Bandagen und
Handschuhen änderte also nicht nur die Boxtechnik, sondern
wichtiger noch, es versteckt auch die Tatsache, dass die Faust in
Wirklichkeit ein zerbrechlicher Teil des Körpers ist.
Wenn die Faust ohne Schutz verwendet wird,
können viele zum Teil schwere Verletzungen vorkommen, wie zum
Beispiel in dem folgenden Auszug aus einem medizinischen Fachartikel
beschrieben:
»Verletzungen der geschlossenen Faust: Diese [...] treten auf wenn jemand einer anderen Person in den Mund
schlägt. [...] Bisse in die Knöchel sind sehr
ernst zu nehmen. Es gibt dabei ein großes Infektionsrisiko.
Einmal infiziert können diese Bisse zu größerem
Schäden an wichtigen Teilen der Hand führen. Zusätzlich
kann die Kraft eines Schlages auf den Mund einer Person zu
gebrochenen Knochen und oder Schnitten in den Sehnen führen,
welche die Behandlung durch Spezialisten erforderlich machen.«
Übersetzung vom
Englischen ins Deutsche aus einem Artikel von www.Emedicine.com über
menschliche Bissverletzungen. Autor des Originals ist der Professor
für Humanmedizin Robert M McNamara, MD, FAAEM, Chief, Professor,
Department of Internal Medicine, Section of Emergency Medicine,
Temple University
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Die Schwachstelle Faust ist ein bekanntes Problem, und jeder mit etwas Unterrichts-
oder Kampferfahrung weiß, dass die Fähigkeit, einen
soliden Fauststoß zuverlässig auf ein bewegliches Ziel wie
zum Beispiel einen schweren Sandsack zu landen, über Monate wenn
Mike Tyson (August 1988) mit einer gebrochenen Hand, nach dem 'Sieg' in
einer Straßenauseinandersetzung durch eine rechten Schlag zum
Nasenansatz des Gegners. Wegen der gebrochenen Hand musste der
bereits fest geplante Kampf gegen Frank Bruno verschoben werden.
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nicht Jahre guten Trainings entwickelt werden muss. Einen effektiven
Faustschlag bei einem sich bewegenden Ziel (z. Bsp. Kopf eines sich
bewegenden Gegners) anzubringen ist noch schwieriger. Jeder
Boxexperte kann seine eigene Geschichte dazu erzählen.
Selbstverteidigung mit der offenen Hand
Wenn es darum geht, Selbstverteidigung
sinnvoll zu vermitteln, dann ist Zeit ein wichtiger Faktor: Niemand
kann vorhersehen, wann die Fähigkeit zur Verteidigung zum ersten
mal benötigt wird, und mitunter gibt es danach auch keine zweite
Chance!
Aus diesem Grund ist es das Ziel des
Pekiti Tirsia Trainings, die Anfänger so früh wie möglich
in die Lage zu versetzen, reale Bedrohungssituationen erfolgreich zu
überstehen. Dazu müssen Methoden trainiert werden, die den
unerfahrenen Einsteiger innerhalb kürzester Zeit mit
ausreichender Schlagkraft ausstatten.
Aufgrund ihres Verständnisses von
natürlicher Bewegung, Kampfstressverhalten und der Praxis der
Rechtsprechung, bevorzugen Pekiti Tirsia Trainer die Methoden der
offenen Hand. Dabei ist der Einsatz der Power Slaps das primäre
konteroffensive Mittel des Selbstverteidigungssystems.
Auf die Natur aufbauend ...
Der Pekiti Tirsia Slap ist eine runde, sehr
natürliche Bewegung, die ähnlich ist dem Werfen eines
Steins oder der Bewegung, mit der eine störende Fliege aus der
Luft gewischt wird. Weil der Slap also bereits Teil des natürlichen
und instinktiven Kampfarsenals eines jeden Menschen ist, sind
Anfänger schon nach kurzem Training in der Lage, diese Technik
sicher auszuführen und kraftvolle Slaps gegen reale Ziele zu
schlagen und zwar ohne sich dabei an der Hand zu verletzen. Es wurde
wiederholt gezeigt, dass bei der Verwendung von Slaps 30 Minuten
Übung ausreichen, um einen durchschnittlichen Beginner in die
Lage zu versetzen, mit genügend Wucht zu schlagen, so daß
ein stärkerer und schwererer Gegner besinnungslos und zu Boden
geschlagen werden kann.
... bedeutet Verbesserung von Anfang an!
Bei Kampfsportarten, die nicht wie
Pekiti Tirsia auf natürliche Bewegungsmuster zurückgreifen,
sondern stattdessen als primäre Kampfmethoden künstliche,
erst neu zu erlernende Techniken (z. B. Faust- und Ellbogenschlag)
verwenden, ist oft zu beobachten, dass Anfänger erst einmal an
Kampfkraft verlieren, bevor diese besser wird. Bei der Pekiti Tirsia
Trainingsmethode ist dies nicht der Fall: Anstatt die natürlichen
Gewohnheiten der Person komplett mit neu zu erlernenden
Verhaltensmustern zu ersetzen, baut Pekiti Tirsia Training auf den
natürlichen Gewohnheiten und Fähigkeiten auf und trainiert
diese. Weil also Pekiti Tirsia auf die Natur des Menschen aufbaut,
wird die Kampfkraft von der ersten Stunde an verbessert.
Zuverlässig, wenn es drauf ankommt!
Der Maßstab, an dem sich jedes
Selbstverteidigungssystem messen lassen muss, ist der Schutz, den es
in kritischen oder gar lebensbedrohlichen Situation bietet. Eine
solche Situation wird immer anders erlebt als beim Training oder bei
einem Turnier. Wenn eine in körperlichen Auseinandersetzungen
unerfahrene Person mit einer wirklich kritischen
Selbstverteidigungssituation konfrontiert wird, dann wird er oder sie
sehr wahrscheinlich die Auswirkungen der menschlichen Stress- und
Angstreaktion (die Alarmfunktion des Körpers auch bekannt als
„Kampf- und Fluchtreflex“) zu spüren bekommen, die
im folgenden sehr gut beschrieben wird:
In einer lebensbedrohenden
Situation manifestiert sich der "Kampf- und Fluchtreflex".
Dieser Reflex, der in Jahrtausenden von menschlichem Überlebenskampf
feingeschliffen wurde, bewirkt eine Steigerung von Herzschlag und
Herzleistung, höheren Blutdruck, beschleunigte Atmung,
beschleunigten Kohlenhydratstoffwechsel, und eine praktisch sofortige
totale Bereitschaft des Körpers.
[...]Stress, Wut und Angst,
welche die Person übermächtigt haben, lösen ein
körpereigenes Alarmreaktionssystem aus, dass eine deutlich
größere Körperkraft und Schnelligkeit, begleitet von
einer fast totalen Unempfindlichkeit gegen Schmerz, bewirkt.
Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit zu feinmotorischen Bewegungen
und die Beweglichkeit drastisch ab. Hände, Arme und Beine können
zittern. Die Person wird wahrscheinlich auch eine geänderte
Situationswahrnehmung erleben. Man ist definitv nicht ruhig, kühl
und gefasst.
Auszugsweise
Übersetzung vom Englischen ins Deutsche aus dem Artikel “Self
defence - Physiology/Psychology of a Gun Fight”
(http://www.internetarmory.com/self_defense.htm)
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Insbesondere der Verlust der Feinmotorik
und die erhöhte Spannung des Körpers sind physiologische
Effekte, die bei der Auswahl von Kampftechniken berücksichtigt
werden müssen, mit denen Anfänger wirkungsvoll auf reale
Selbstverteidigung vorbereitet werden sollen.
Viele Kampftechniken aus dem Kampfsport
sind technisch sehr anspruchsvolle Bewegungen, die zunächst
erlernt werden müssen und viel Trainingszeit benötigen, bis
die für eine schnelle und präzise Ausführung der
Technik notwendige Koordination entwickelt ist. Wenn nun in einer
Gefahrsituation der Kampf- und Fluchtreflex einsetzt, und dieser die
Feinmotorik zugunsten der gesteigerten Körperkraft abwürgt,
dann verlassen mit der Feinmotorik auch die aufwendig erlernten
technisch anspruchsvollen Bewegungen den Körper.
Auch der im Kampfsport verbreitete gerade
Fauststoß gehört zu diesen künstlichen Bewegungen,
deren Effizienz unter der instinktiven Streß- und
Gefahrreaktion des Körpers leidet.
Zwar kann der gerade Fauststoß mit
ausdauerndem und intensivem Training zur 'zweiten Natur' werden (dies
ist der Grund, warum die meisten Kampfsportler sich der technischen
Komplexität des Faustschlags nicht mehr bewusst sind), aber bei
der Beobachtung ernster Straßenkämpfe – und sogar
bei den professionell trainierten Kämpfern in gegenwärtigen
Mixed Martial Arts-Veranstaltungen – ist zu sehen, dass die
akkuraten geraden Fauststöße selten und weite Schwinger
viel häufiger sind.
Anfängern gerade Faustschläge als
das Selbstverteidigungsmittel zu unterrichten, auf das sie sich in
einer lebensbedrohenden Situation verlassen sollen, die morgen schon
eintreten kann, ist offensichtlich nicht der richtige Weg.
Slap: natürliche Power
Mit dem Slap des Pekiti Tirsia als primäres
Verteidigungsmittel sind die physiologischen Effekte der menschlichen
Alarmreaktion kein Problem. Im Gegenteil! Der Pekiti Tirsia Slap
profitiert als natürliche Power-Bewegung von der Kampf und
Fluchtvorbereitung des Körpers. Wenn der Körper eine
gegenwärtige Gefahr wahrnimmt und die Überlebensinstinkte
die Person für den totalen Kampf oder die Flucht „um alles
oder nichts“ vorbereitet, indem er durch Hormonausschüttung
alle normalerweise nicht zugänglichen Kraftreserven mobilisiert,
dann macht der Körper das, wozu er entworfen wurde: Er
verzichtet auf Feinkoordination zugunsten der kampfentscheidenden
kräftigen Bewegungen und lädt auf diese Weise Slaps und
andere natürliche Power-Bewegungen mit ungeahnter Kraft, wie sie
der Körper nur in Ausnahmesituationen aufzubringen in der Lage
ist.
Das ist mit ein wichtiger Grund, warum
Techniken mit der offenen Hand für den Kampf in echter Gefahr
perfekt geeignet sind. Wenn es wirklich ernst wird und die
feinkoordinierte Bewegung des geraden Faustschlags nur noch schwer
realisiert werden kann, dann zeigen Slaps erst ihre wahre Stärke:
Wenn sie wirklich gebraucht werden, dann werden sie schneller und
härter.
Für erfahrene Kämpfer und Profis ein Mittel zum Überleben!
Bei erfahrenen Kämpfern und Profis hat
Adrenalin prinzipiell denselben Effekt. Jedoch durch Erfahrung sind
sie daran gewöhnt. In ihrer Ausbildung haben sie gelernt, den
Adrenalinstoß zu akzeptieren, zu kontrollieren und zu ihrem
Vorteil einzusetzen. Darüber hinaus haben sie in jahrelanger
Vorbereitung genügend Zeit, die benötigten Fertigkeiten so
einzuschleifen, dass sie auch unter extremem Druck und in Gefahr noch
erfolgreich operieren können. Dies ist der Grund, warum
beispielsweise Profiboxer selbst unter dem Druck eines Titelkampfes
noch mit fast perfekter Technik agieren können.
Schläge mit der offenen Hand (z. B.
Innenhandschläge) sind aber auch im Boxsport bekannt. Sie werden
im Boxen als „schmutzige Tricks“ angesehen und können
zu einer verlorenen Runde oder gar zur Disqualifikation führen.
Natürlich haben gute Boxer es nicht nötig solche Schläge
zu verwenden – aber erfolgreiche tun es manchmal.
Im Gegensatz zum Profisportler ist bei den
Profikriegern, wie zum Beispiel bei verdeckten Ermittlern,
Mitgliedern von Einsatzkommandos, Präzisions-/Scharfschützen,
Geiselrettungsteams und militärischen Fernaufklärungs- und
Infiltrationseinheiten, die in der realen Welt des regellosen
Überlebens agieren müssen, der Zweikampf gewöhnlich
nicht das Hauptanliegen einer Mission. Er ist höchstens ein
gebotenes Mittel zum Zweck, notwendig, um Hindernisse aus dem Weg zu
räumen und die Voraussetzungen zu schaffen, die benötigt
werden, um die eigentliche Mission zu erfüllen. Im Gegensatz zum
sportlichen Wettkampf, in dem für den Sieg auch kleinere
Verletzungen in Kauf genommen werden dürfen, ist für
Profis, die in der wirklichen Welt agieren, eine Verletzung der Hand
meist keine Option, denn sie riskiert das Ziel der Mission. Eine
Grundregel: Riskiere nicht die Hand, die zum schießen oder zum
handhaben der für die Mission notwendigen Geräte gebraucht
wird! Eine Hand, die durch den Aufprall bei einem Faustschlag
angeschwollen ist oder zittert, beeinträchtigt die Fähigkeit,
die Waffe zu handhaben oder mit Präzision zu schießen, was
im schlimmsten Fall den eigenen Tod oder den Tod eines Kameraden
bedeuten kann.
Der Pekiti Tirsia Slap
Der Pekiti Tirsia Slap ist eine spezielle Schlagmethode, die nicht mit
dem Handballenstoß zu verwechseln ist. Vom schnellen
Whipping-Slap zum wuchtigen Power Slap gibt es den Pekiti Tirsia Slap
in vielen Versionen, die unterschiedliche Problemstellungen lösen.
Der Pekiti Tirsia Slap kann zum Parieren, Kontrollieren oder zum
Angriff für das zeitweise Stören der Sicht, der Balance
oder einfach zum Niederschlagen des Gegners verwendet werden.
Slaps
sind im Pekiti Tirsia jedoch nicht nur dazu da, den Gegner zu
schlagen, sondern sie manipulieren dabei auch sein Gleichgewicht und
seine Position, um seine Offensivmöglichkeiten einzuschränken.
Pekiti Tirsia Slaps können auf eine Art ausgeführt werden,
dass der Gegner sich selbst verletzt, wenn er seinen Angriff
fortsetzt.
Der
koordinierte Einsatz beider Arme ermöglicht durch den runden Weg
des Slaps, gleichzeitig den ganzen Oberkörper von Kopf bis
Unterleib zu schützen und dabei eine schnelle Folge von
wuchtigen Schlägen auszuführen, die den Gegner in die
Defensive drängen.
Bereits beim ersten Training trainieren
Pekiti Tirsia Anfänger das Schlagen der Power Slaps. Für
die meisten ist es eine erstaunliche Erfahrung. Kampfsportunerfahrene
sind in der Regel überrascht, wie schnell sie mit den Slaps
enorme Schlagkraft erzeugen können, und wie einfach es ist. Nach
kurzer Zeit erzeugen die meisten bereits ausreichend Schlagkraft, um
die Balance eines stärkeren Gegners zu brechen und ihn
niederzuschlagen – beim Schlagtraining mit einem Partner, der
die Pratze hält, spüren und sehen sie das auch. Wenn sie
dann noch die Erfahrung machen, wie der Slap nicht nur zum Angriff,
sondern gleichzeitig auch zum Parieren der meisten Attacken des
Angreifers gebraucht werden kann, dann muss der Pekiti Tirsia Trainer
sich oft Mühe geben, bei dem Anfänger nicht den Glauben an
ein Allheilmittel aufkommen zu lassen. Noch mehr als reine Anfänger
sind oft erfahrene Vollkontaktsportler nachhaltig beeindruckt über
die zusätzliche Schlagkraft, die sie mit der offenen Hand
erzeugen können.
Die
Struktur der Pekiti Tirsia Schläge mit der offenen Hand ist
einfach und das Geheimnis des sicheren und wuchtigen Schlagens ist
die richtige Entspannung. Während die meisten Menschen sich
leicht tun und von Anfang an effektive Schläge mit der offenen
Hand ausführen, gibt es mitunter Fälle von Menschen, die
Schwierigkeiten beim Schlagen effektiver Slaps haben, weil sie die
Tendenz haben, sich bzw. den Arm vor dem Aufschlag anzuspannen. Dies
findet sich besonders häufig bei Kampfsportlern, die bereits in
anderen Kampfsportarten trainierten, in denen das Anspannen der Faust
im Moment des Aufschlags empfohlen wird, oder allgemein bei Menschen,
die den Unterschied zwischen Muskelanspannung im eigenen Körper
und freigegebener Energie nicht verinnerlicht haben. Wird die
Gewohnheit des Anspannens beim Slappen beibehalten, dann ist dies für
den Schlagenden selbst doppelt gefährlich, weil die Steifheit
durch die Anspannung nicht nur die Ausführungsgeschwindigkeit
des Slaps reduziert, sondern auch Finger und Handgelenk verletzbar
machen.
Auch
wenn der Slap eine einfache und natürliche Bewegung ist, gibt es
reichlich Möglichkeiten den Slap durch Training zu verbessern,
z. B. Schlagwinkel für Raumschutz, Geschwindigkeit und
Energietransfer zu optimieren. Für die Optimierung der
Slap-Qualität gibt es im Pekiti Tirsia eine Vielzahl von
unterschiedlichen Trainingsmethoden. Eine der besten für das
richtige „Slappen“ ist die Verwendung der Kali-Stöcke
zum Training. Weitere Übungsformen arbeiten z. B. mit einer
Eisenkugel. Das Training des Slaps hat einen wichtigen Platz in jedem
Pekiti Tirsia Workout.
'Gewonnen' und doch verloren?
Schon immer
war das Risiko der Selbstgefährdung oder Selbstverletzung bei
der Ausführung einer Kampftechnik ein Problem, das eine
sinnvolle Kampfmethode betrachten und lösen musste. Mit unserem
heutigen medizinischen Wissen hat sich jedoch die Perspektive
verändert. Verstauchte Knöchel oder ausgerenkte Handgelenke
sind mit moderner medizinischer Versorgung eher ein Problem für
Soldaten und Spezialisten während einer Mission als für den
normalen Bürger. Für die meisten Menschen ist eine im Kampf
verstauchte Faust nicht wirklich ein ernsthaftes Problem, da die
physische Auseinandersetzung typischerweise wenige Minuten nach dem
Schlag vorbei ist, und die Hand kann dann medizinisch versorgt
werden. Ein gebrochener Knochen oder ein überdehntes Gelenk wird
normalerweise nach ein paar Wochen oder Monaten vergessen sein –
viel schwerwiegender in den Folgen ist jedoch das Problem eines
Blutkontaktes.
Ein Treffer
mit der Faust am Kopf verursacht als typische äußere
Verletzung eine stark blutende Platzwunde. Ebenso ist es nicht
unwahrscheinlich, dass bei dem Schlag mit der Faust auch die Haut
über den Schlagknöcheln aufgekratzt wird (typischerweise
eine offene und weniger stark blutende Wunde), so dass beim
Auftreffen der Faust über die Knöchelwunde Blut vom Gegner
in den Körper des Schlagenden gelangen kann. Selbst wenn die
Wahrscheinlichkeit gering ist, kann es doch sein, dass auf diese
Weise AIDS (HIV), Hepatitis oder andere Blutkrankheiten übertragen
werden. Eine Auseinandersetzung „gewonnen“ zu haben und
dann mehrere Monate mit der Sorge und Ungewissheit leben zu müssen,
ob die andere Person vielleicht ein Träger einer Blutkrankheit
war, ist sicher nichts was man gerne erleben möchte. Ganz zu
schweigen davon, was ist, wenn man sich tatsächlich infiziert
hat.
Sicherlich
kann niemand die Gefahr eines Blutkontaktes in einem ernsten Kampf
komplett vermeiden, aber der Gebrauch der Pekiti Tirsia Slaps
reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Blutkontaktes deutlich, weil
durch den Schlag in der Regel keine offenen Wunden an der schlagenden
Hand verursacht werden. Mit unserem heutigen Wissen über
Blutkrankheiten – warum sollte man nicht die Möglichkeit
wählen, die das Risiko nach einem 'gewonnenen' Kampf
letztendlich doch verloren zu haben, drastisch reduziert?
Offene Hand für Situationskontrolle und Konflikt-Management
Ein weiterer Grund, warum Slaps sich sehr gut für eine
zeitgemäße zivile Selbstverteidigung eignen, ist dass die
Methoden der offenen Hand sehr gut zu einer Körpersprache
passen, die natürlich ist und auf den Aggressor ebenso wie auf
unbeteiligte Dritte (spätere Zeugen) sicher und zugleich
nicht-herausfordernd und friedfertig wirkt. Dies bietet eine ideale
Ausgangsbasis für Deeskalationsstrategien, um aus starker, aber
offensichtlich friedfertiger Position kritische Situationen zu
entschärfen, ohne zu körperlicher Gewalt greifen zu müssen.
Dies ist immer eine bevorzugte Option im Pekiti Tirsia.
Die Slap-Methoden zeigen ihre speziellen Möglichkeiten
besonders gut in Kombination mit den Chambering- und
Monitoring-Methoden des Pekiti Tirsia Systems. Die Kombination aus
den genannten Methoden bieten eine Vielzahl an taktischen
Möglichkeiten. Sie erlaubt beispielsweise, die Intention des
Gegenübers aus gesicherter Position zu testen, ihm zum Beispiel
während eines kontrollierten Zeitfensters die Gelegenheit zu
einem – für ihn nur scheinbar – „sicheren“
ersten Schlag zu geben, der allerdings erwartet wird und schon
gestoppt und unter Kontrolle ist, bevor der Schlag richtig gestartet
wurde. Bei Anwendung dieser Taktik hat der aggressive Angreifer
bereits in dem Moment verloren, in dem er den Köder nimmt und
die offensichtlich „ahnungslose leichte Beute“ angreift.
Die Geste der offenen Hand
Die Methode der offenen Hand versinnbildlicht wie keine andere
die Pekiti Tirsia Philosophie, sich Freunde und keine Feinde zu
machen. Wer Pekiti Tirsia versteht, lebt sein Leben mit der Kultur
der Selbsterhaltung in einer positiven Aufmerksamkeit, die es
erlaubt, entspannt nach Freunden Ausschau zu halten und dabei Feinde
frühzeitig zu erkennen.
Weil Pekiti Tirsia der Philosophie des Lebens folgt und in
sich eben diese Philosophie des Lebens, der Gesundheit und des
Erfolges manifestiert, warten Pekiti Tirsia trainierte Menschen nicht
mit geballten Fäusten auf etwaige Feinde, sondern sie genießen
die Schönheit des Lebens, empfangen Freunde mit offenen Händen
und sind dabei bereit für was auch immer kommen möge.
Slaps: Der Kreis schließt sich
Wie
dargelegt entspricht der Gebrauch der offenen Hand der Pekiti Tirsia
Philosophie, sich lieber Freunde als Feinde zu machen. Oder in
anderen Worten: Pekiti Tirsia verwendet die Philosophie der offenen
Hand und nicht die der Faust. Jedoch nach Lesen dieses Artikels
sollte klar sein: der Gebrauch des Slaps ist nicht ein Zugeständnis
an diese Philosophie. Er ist das Ergebnis der zeitlosen Logik des
Selbstschutzes in unserer menschlichen Gesellschaft. Ein Resultat von
Körpersprache, Schlagphysik und dem Verständnis von
Strategie und Taktik in einer Selbstverteidigungssituation.
Wie sich Slaps auf einer Kreisbahn bewegen, so passt mit einem gründlichen
Verständnis des Slaps und der bevorzugten Pekiti Tirsia Taktiken
alles nahtlos zusammen: Philosophie,
Natur des Menschen, Kultur, Selbstverteidigung, Effizienz,
Rechtssprechung, Lebensfreude, körpergerechtes und gesundes Training - all dies ergänzt sich im Pekiti Tirsia wie bei einem perfekten Kreis zu einem einheitlichen Ganzen.
Autor: Uli Weidle, März 2003
Anmerkung:
Es gibt mehr über Slaps und über die offene Hand Methoden des
Pekiti Tirsia zu berichten. Um den Artikel in einem internetgerechten
Format zu halten, wurde er stark gekürzt, so dass eventuell ein
zweiter Teil nachfolgen wird.
Web-Literatur:
http://www.antekprizering.com/tysongreenposter.html
http://www.geocities.com/mike_tysons_iron2/fightgreenpics.html
http://www.sportsscoops.com/headlines/9/15.shtml
Keith Hackney:
http://www.sherdog.com/fightfinder/displayfighter.cfm?fighterid=38
Emmanuel Yarbrough:
http://www.sherdog.com/fightfinder/displayfighter.cfm?fighterid=39
http://www.mmaweekly.com/interviews/iv_KeithHackney-10-07-02.html
http://www.emedicine.com/aaem/topic46.htm
http://www.internetarmory.com/self_defense.htm
http://www.state.oh.us/aco/fouls.htm
Bildquellen:
http://www.sherdog.com/fightfinder/pictures/HackneyDefYarborough_TKO.jpg
http://www.antekprizering.com/tysongreenpostfight.jpeg
und natürlich die Fotoarchive von Uli Weidle und der Pekiti Tirsia Europe
Artikel veröffentlicht im Pekiti Tirsia Europe Action-Book bei
http://www.pekiti-tirsia.net
© 2003 by Uli Weidle. Der Autor kann über Email erreicht werden:
uli.weidle@pekiti-tirsia.de
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