Kurzbericht zum Dreitägigen Pekiti-Tirsia Knifecamp 2002
Den
in einigen Bundesländern günstig gelegenen Feiertag nutzend, fand am verlängerten Allerheiligen-Wochenende,
also am 1.-3. November 2002, das
von vielen lange erwartete dreitägige Pekiti-Tirsia Kali
Knife-Camp statt. In dem Trainingscamp in Reutlingen wurde der Kampf
mit bzw. gegen Messer mit dem Schwerpunkt auf realitätsnahe und
gesetzeskonforme Selbstverteidigung und Selbstbehauptung trainiert.
Das Interesse an dem Pekiti-Tirsia Trainingscamp war wirklich immens: Zu dem Camp waren
etwa 40 Teilnehmer aus sechs Ländern
Europas angereist, und die Liste
derjenigen, die hofften, doch noch kurzfristig einen Seminarplatz zu
ergattern, war nochmal so lange wie die Teilnehmerzahl.
Das Training fand im Reutlinger Kampfkunstzentrum der
Fechtgesellschaft e.V. (http://www.fechtgesellschaft.de)
statt, das mit seinem Räumen eine angenehme Trainingsatmosphäre bietet und ideal mit Trainingsgeräten
ausgestattet ist.
Das Camp-Programm war intensiv: In den drei Tagen wurden
mehr als 24
Stunden trainiert. Dabei versorgten Helfer des Vereins die Teilnehmer unentgeltlich mit Essen und Getränken, was von
allen Teilnehmern geschätzt und gerne genutzt wurde. Eine erfahrene
Sporttherapeutin bot während und nach dem Training die Möglichkeit, sich bei
einer Sport-Massage zu erholen. Abends gab
es dann beim gemeinsamen Essen Gelegenheit, sich untereinander besser
kennenzulernen und weiter zu fachsimpeln oder natürlich auch sich über
andere Themen auszutauschen.
Messerkampf und Messerverteidigung sinnvoll...
Messerkampf und sinnvolle Messerverteidigung sind die
Spezialitäten des Pekiti-Tirsia Systems. Der gute Ruf des
Pekiti-Tirsia Systems kommt dabei unter anderem daher, dass auf der
Basis von umfangreicher Praxiserfahrung kompakt unterrichtet wird, wobei das
Wesentliche so erfahrbar wird, dass es auch nach relativ kurzem Training
sinnvoll in praktischen Situationen umgesetzt werden kann. So war auch das Training an dem Knife
Camp ein einfaches, zielgerichtetes und praxisorientiertes Training
für die Realität von Konfliktsituationen, bei denen Messer oder
ähnliche Gegenstände zum Einsatz kommen können.
Zu den behandelten Themen gehörten: Basic Knife Awareness
(BKA), Taktisches Verhalten im Umgang mit Waffen,
Situationskontrolle, Fluchtsicherung, Equalizer-Prinzip/Improvisierte
Waffen, Überleben von Blitzattacken, Survivor-Qualität,
Aktion und Gegenaktion. Für ein besseres Verständnis des
Selbstschutztrainings und der Survivor-Qualität
wurde in Abgrenzung dazu auch auf die Situation des turnierhaften
"Duellkampfes" eingegangen.
...in Theorie und Praxis...
Das
praktische Training begann mit den Grundbewegungen des Messers und
elementarer Schrittarbeit. Dabei konzentrierte sich das Training auf wenige einfache Bewegungen, die auch von den
neu Dazugekommenen
schnell erlernt und auch präzise austrainiert werden konnten.
Diese Bewegungen bildeten die Basis für das ganze Knife Camp.
Im weiteren Training wurde im ständigen Wechsel zwischen
Theorie und Praxis den Teilnehmern die Funktion und der sinnvolle
Gebrauch des Messers verdeutlicht. Dabei wurde den Knife-Camp-Teilnehmern eine realistische
Einschätzung vermittelt, was ein Messer kann und nicht kann.
Unter anderem durch Berichte von Überlebenden wurde jedem
klar, wie gefährlich ein Messer ist, aber auch, dass ein
menschlicher Gegner keine Rinderhälfte ist. Mit der Realität
konfrontiert, was Messereinsatz bedeuten kann, und welche
Unwägbarkeiten es dabei gibt, mussten einige anwesende
"Messer-Experten" sich im Laufe des Knife-Camps von
liebgewonnenen Phantasien trennen und erkennen, dass die Realität
sehr komplex und dann doch wieder so einfach sein kann.
...Verständnis von Gegenangriff und COMBAT-Prinzip
Bereits nach den ersten Übungen zum Thema Situations- und
Distanzkontrolle sowie "verdeckter Messereinsatz" war den
Teilnehmern klar, welche Anforderungen an ein praxistaugliches
Verteidigungssystem gestellt werden müssen. So wurde es von den
Teilnehmern sehr geschätzt, dass in der Pekiti-Tirsia Methode
mit nur wenigen Bewegungen die große Vielfalt der Situationen
erfolgreich abgedeckt wird, und auch die in allen Übungen
trainierten Pekiti-Tirsia Prinzipien, Gegenangriff und COMBAT
(Counter On Motion Before Attack Time), wurden in ihrer Bedeutung
erkannt und sehr geschätzt.
Ein wichtiger Teil des Trainings war der Situationseinschätzung
und den fünf Stufen des Messereinsatzes gewidmet. Es wurde der
nahtlose Übergang zwischen den verschiedenen Eskalationsstufen
trainiert und wie man sich sinnvoll verhalten kann, wenn man, selbst (noch) unbewaffnet, von einem Messerstecher bedroht wird. Hier wurden Themen
wie taktisches Positionieren und die Benutzung von Gegenständen
als improvisierte Waffen ("Equaliser") trainiert.
Natürlich wurde auch der Zugriff auf die eigene Waffe unter
erschwerten Bedingungen trainiert, also z.B. wenn der Gegner seinen
Angriff bereits begonnen hat.
Professionelles Interesse
Einige der Camp Teilnehmer waren Polizisten bzw. Pflegepersonal
oder Ersthelfer, die beruflich des Öfteren mit geistig
Verwirrten zu tun haben, die mit Messer o.ä. Gegenständen bewaffnet sind.
Da sie die trainierten Taktiken und Situationen aus ihrem beruflichen Alltag gut
nachvollziehen konnten, hatten sie starkes Interesse am Pekiti-Tirsia Knife Awareness and Surviving
Edged Weapons-Programm und trainierten mit großer
Begeisterung die "Knife-Awareness"-Kontrollpositionen,
die beim Training der Bewältigung unterschiedlicher
Gefährdungssituationen gezeigt wurden.
Die meisten der Teilnehmer verfügten schon über
Erfahrungen im Pekiti-Tirsia System, und so konnten diejenigen
Trainingsinhalte, bei denen es sinnvoll ist, auch mit scharfen Messern
austrainiert werden.
Fazit
Wie immer bei Pekiti-Tirsia Kali Veranstaltungen
wurde das Trainingsprogramm mit hoher Intensität gefahren, aber
Spaß und Gesundheit standen jederzeit für alle im
Vordergrund. Da Nachfrage und Begeisterung groß waren, wird das Knife-Camp
zusammen mit dem Warrior-Camp
einen festen Platz im Pekiti-Tirsia Seminarkalender erhalten.
Informationen bezüglich des Nächsten Knife Camp
Einige Impressionen und Feedback der Campteilnehmer:
Thorsten:
Es war eine unheimlich tolle und partnerschaftliche Stimmung beim
Seminar. Neben den Übungen und Techniken, die wir an den 3 Tagen
gemacht haben, hat mir besonders die Theorie gut gefallen. Der
verantwortungsvolle Umgang und das Potential eines Messers wurde
mindestens genauso ausführlich behandelt wie die Praxis.
Kein Kurs für Leute die sich mal eben Techniken aneignen
wollen ohne die Gefahren für andere und sich selbst zu erkennen.
Superverantwortlicher Aufbau des Seminars, danke dafür!
André: Ich finde, Du hast Dir wirklich viele
Gedanken darüber gemacht, was Du in diesen drei Tagen zeigen
möchtest. Und ich finde, das Zusammenspiel ist Dir diesmal
besonders gut gelungen. Dass Du den Film eingebaut hast, hat mich am
meisten gefreut und ich finde auch, er hatte seinen Effekt (wenn ich
mir nur die Szenen ins Gedächtnis rufe, wo zu Beginn noch einige
Witze oder dumme Kommentare gemacht wurden ;) und am Ende des Filmes
war doch so etwas wie betretene Stille zu merken ...) Ich denke,
dieser 'visuelle Schock' hat bei weitem mehr Wirkung gehabt, als
jedes Reden.
Ich habe in diesem Seminar sehr viel mitgenommen und so langsam
bekomme ich einen besseren Überblick, wie diese ganzen Drills
zusammenpassen und sich ergänzen. Nun muss ich nur noch alles
verinnerlichen :-)
Die Ausflüge in Grad 2 und Grad 3 haben mir
auch gefallen ... Ich bin sehr froh, bei diesem Seminar dabeigewesen
zu sein. Und ich muss Dir hierfür ein dickes Lob aussprechen.
Dieses kurze Anreißen der wichtigsten Dinge ist gut von Dir
gewählt worden. Ich habe wieder ein paar Anregungen für
mein Training mitgenommen und für mich war dieses Seminar mehr
als nur ein Seminar - schon fast so etwas wie eine kleine Erleuchtung
:-D
Steve: Thanks for another great seminar.
Alessandro: The last seminar had a deep impact on me, I am
considered more and more the correct way to do the exercises because
I feel now how important is accuracy in movement, angle, position.
Full power, Full speed, hit hard.
Jochen: Das Knife-Camp war spitze!
Bernd: Bin wieder daheim, und wäre am liebsten noch in
Reutlingen. War wieder mal ein super lehrreiches Wochenende, für
das ich mich mal auf die Schnelle bei Dir bedanken wollte (wobei sich
meine verkaterten Muskeln nicht so auf Dank eingestellt haben).
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